Geschichte der Psychotherapie

Bereits vor tausenden von Jahren wurde die Psychotherapie in traditionellen Kulturen in vereinfachter Form von Heilkundigen wie Schamanen angewendet, die ihre Patienten meist von Flüchen und Besessenheiten zu befreien versuchten. Hierbei kam allerdings auch ein medizinischer Aspekt hinzu, da Heilpflanzen genutzt wurden, die nach Verabreichung u. a. Rauschzustände auslösen konnten. Im Mittelalter konzentrierte man sich nicht auf die systematische Behandlung psychisch Kranker, sondern "therapierte" mit Bestrafung, wie Folterung oder Verbrennung und fügte den Betroffenen damit unweigerlich schweres Leid zu. Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts kam es durch den französischen Arzt Philippe Pinel, der behauptete, dass Krankheiten auf sozialen und psychologischen Ursachen gründen, zur weitgehenden Gewaltbefreiung und Entwicklung neuer Behandlungsmethoden. Der Schwerpunkt lag in der damaligen Zeit vor allem auf Überzeugungstechniken, Suggestion und Hypnose, die von vielen bedeutenden Ärzten wie Jean-Martin Charcot und Josef Breuer angewendet wurden. Charcot und Breuer waren es auch, die mit Sigmund Freud im Bereich der Hypnose zusammenarbeiteten. Freud entwickelte im Laufe seiner praktischen Tätigkeit aus der Hypnose heraus die Psychoanalyse, gab allerdings die Hypnose als Therapieform bald wieder auf und wandte sich einer anderen Technik zu, die aus der freien Assoziation des Patienten, der Deutung durch den Therapeuten sowie der Entstehung einer Übertragung zwischen Patient und Therapeut bestand. Freuds Schüler Carl Gustav Jung, Otto Rank und Alfred Adler verfolgten die Techniken der Tiefenpsychologie weiter und entwickelten aus ihnen heraus weitere eigenständige Theorien. Es entstanden allerdings auch Gegenströmungen durch Rogers, Ellis und Frankl, die die freie Assoziation ganz oder teilweise ablehnten. Weiterhin entwickelte sich die Lerntheorie auf Grundlage der Verhaltenstherapie aus Erkenntnissen der Physiologie u. a. durch Burrhus Frederic Skinner, der den Begriff "programmiertes Lernen" prägte und mit der von ihm verwendeten Testapparatur, der so genannten "Skinner-Box", für Aufsehen sorgte. Auch Iwan P. Pawlow, der die bedingten Reflexe entdeckte, trug mit seinen Forschungsergebnissen für Weiterentwicklungen in dieser Richtung bei.

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