Der Fall Berta Pappenheim

Die Frauenrechtlerin Berta Pappenheim, geboren 1859 in Wien, in den Krankenakten als Anna O. benannt, wurde von Josef Breuer und Sigmund Freud im Sanatorium Bellevue gegen ihre Hysterie, an der sie mit 21 Jahren erkrankte, behandelt. Sie gilt für viele als die erste psychoanalytische Patientin, deren Fallgeschichte Freud den Weg für seine Theorien über Hysterie bereitete und die Geburtsstunde der Psychoanalyse einleitete.
Während der Pflege des an einer schweren Brustfellentzündung erkrankten Vaters, wurde Berta plötzlich von Halluzinationen geplagt, die mit Angstzuständen einhergingen. Die daraufhin immer wieder folgenden Schwächeanfälle, Lähmungen und Sehstörungen wurden zuerst von ihr ignoriert, bis sich Berta schließlich von ihrem Arzt Josef Breuer behandeln ließ. Durch Anwendung leichter Hypnose wurde die Patientin zur Aufarbeitung von Erlebnissen und Erinnerungen angeregt, wobei sich herausstellte, dass sich Berta Pappenheim, die auf Grund ihrer Intelligenz als überdurchschnittlich begabt galt, stets unterfordert fühlte, da ihre Familie die Talente und Wünsche der Tochter nie ausreichend beachtet und gefördert hatte. Außerdem konnte sie während der Psychotherapie ihre Gefühle, wie Kränkung und Ekel direkt benennen, was vorher durch ihr gutes Elternhaus und der damit verbundenen Erziehung nicht möglich gewesen war.